»Ich bin ja noch nicht fertig«

Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz wirft Hut erneut in den Ring
Allendorfs Bürgermeister Thomas Benz (FW) wirft seinen Hut erneut in den Ring und kandidiert für eine zweite Amtszeit.
15. Juli 2022
von DGE
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Thomas Benz will seinen Platz auf dem Chefsessel im Rathaus noch nicht räumen. Foto: Wisker

Am 1. Juli 2017 ist Thomas Benz (Freie Wähler) als Bürgermeister ins Rathaus eingezogen. Jetzt strebt er eine zweite Amtszeit an. Schon bei seiner ersten Kandidatur beziehungsweise seiner Wahl sei klar gewesen, dass er es nicht bei einer Amtszeit belassen wolle. »Ich bin ja noch nicht fertig«, beschreibt er seine Motivation, den Hut erneut in den Ring zu werfen.

Er sei 2016 in den Wahlkampf gegangen mit dem Ziel, das Ehrenamt zu stärken. Das hat er nach wie vor auf der Agenda. »Ich komme aus einem Verein, dem TSV Nor-deck-Winnen. Auch wenn man es heute nicht mehr glauben mag, ich war mal aktiver Handballer«, schmunzelt Benz.

Doch das alleine hat seine bislang fünf Jahre als Bürgermeister nicht geprägt. Die Sanierung der Ortsdurchfahrten in Nordeck und Winnen waren große Projekte, die in seine Amtszeit fielen. Auch das Baugebiet »Hege II«, das im Herbst in die Umsetzung gehen soll, stand an. Mit drei Bauplätzen recht klein war das Vorhaben »Rosenstraße« in Winnen. »Die drei Bauplätze waren binnen drei Monaten weg, jetzt wird schon gebaut.«

Die Idee eines Bürgerbusses habe anfangs nicht geklappt, bekennt der 55-Jährige. Doch auch hier fand sich eine Lösung: Jetzt gibt es eine Kooperation mit der Gemeinde Rabenau, »auch mit ehrenamtlichen Fahrern aus Allendorf. Das ist für die älteren Menschen eine große Erleichterung«. Positiv sieht Thomas Benz auch die interkommunale Zusammenarbeit in Sachen Kasse und die erst vor Kurzem beschlossene gemeinsame Betriebsführung der Kläranlagen. Das sei auch vor dem Aspekt der Sicherheit für die Mitarbeiter der richtige Weg.

Großen Respekt zollt er den Ehrenamtlichen, die in ihrer Freizeit das Dorf in Schuss halten, sich etwa um die Friedhöfe kümmern. »Da gehe ich auch mal mit drei Kringeln Fleischwurst hin und dann wird gemeinsam gefrühstückt.« Der Umbau der Remise zu einem Bürgertreff sei eine tolle Sache, da habe der Heimatverein Großes geleistet. Besonders schön findet Benz, dass man sich dort jetzt auch trauen lassen kann. Das Jawort kann man sich auch in der Burgkapelle in Nordeck geben. Er habe eigens eine Ausbildung zum Standesbeamten gemacht und dort seinen eigenen Trauzeugen verheiratet. »Das war ziemlich emotional.«

Und ja, der Nouvion-Platz werde noch verschönert, versichert der Rathauschef. Angedacht seien noch die Begrünung und auch eine Beschattung, vielleicht durch Rankgewächse. Auf jeden Fall solle es noch ein Metallherz geben, an dem Verliebte Schlösser anbringen können. Für ganz wichtig erachtet er auch, dass der Standort der Tafel in Allendorf erhalten werden konnte. »Die Mitarbeiter hier im Rathaus reißen sich ein Bein aus«, stellt sich der Bürgermeister vor sein Team und begegnet damit Gerüchten rund um die personelle Fluktuationen in den vergangenen Monaten. Und er geht ein bisschen in die Tiefe: Der Klimaschutzmanager Felix Jung übernehme das Bauamt, ein Nachfolger als Klimaschutzmanager sei gefunden. Im Bauamt sei zudem die Stelle eines Sachbearbeiters ausgeschrieben. Ebenfalls ausgeschrieben sei die Stelle der Hauptamtsleitung. Während der Zeit der Vakanz habe der Leiter der Finanzabteilung, Jürgen Rausch, hier vieles aufgefangen. Seine Mehrbelastung sei »enorm« gewesen, dafür zeigte sich Benz »sehr dankbar«. Und weiter: »Ich hoffe, dass dann ein wenig Ruhe hier eingekehrt.«

Eine der größten Herausforderungen sei zweifellos Corona gewesen. Termine im Rathaus gab es nur nach Vereinbarung, vieles musste digital ablaufen. Letzteres ist etwas, worauf Benz künftig aufbauen will. Es solle für die Bürger leichter werden, Dinge online zu erledigen. Wenig Handlungsmöglichkeiten biete dagegen der städtische Haushalt. Zwar haben Schutzschirm und Hessenkasse so einiges aufgefangen, trotzdem ist die Stadt Allendorf noch lange nicht auf Rosen gebettet.

»Eine kleine Kommune wie wir hat zum Beispiel weniger Gewerbesteuereinnahmen, muss aber genauso viel leisten wie größere Kommunen.« Kita-Plätze, der Brandschutz - das seien Pflichtaufgaben, die nun mal Geld kosteten. Der Haushaltsausgleich sei »jedes Jahr ein Kampf aufs Neue«.

Apropos Kita-Plätze: Durch den Um- und Anbau der Kita Allendorf sei man nun als eine der wenigen Kommunen in Landkreis Gießen in der Lage, kurzfristig Betreuungsplätze anzubieten. Ganz klar müsse man auch in Allendorf vermehrt auf erneuerbare Energien setzen. Dies auch, um »Abhängigkeiten loszuwerden«. Ein großes Thema sei die Windkraft vor Ort. »Windräder, von denen auch Allendorf etwas hat«, denkt er laut über eine Bürgerbeteiligung nach. »Wir haben die Vorrangflächen, warum sollten wir sie nicht nutzen?«

Für die Zukunft sieht Thomas Benz noch vieles, das zu tun ist. So würde er gerne ein Seniorenheim in Allendorf ansiedeln. »Eines, wo man selbstbestimmt wohnen kann, solange es geht, wo man aber auch bleiben kann, wenn man pflegebedürftig wird. Ich will, dass die Menschen auch im Alter in ihrer Heimatgemeinde bleiben können.« Das stehe für ihn nicht in Kontrast zum Vorhaben »Neue Altstadt«, es solle eine Ergänzung, ein weiteres Angebot sein.

Voraussichtlich am 12. Februar 2023 findet die Bürgermeisterwahl in Allendorf statt.